Fazit und Ausblick

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Potenzial für die Windenergie im Nordosten des Landes am größten ist und hier die Windenergienutzung dementsprechend auch am wirtschaftlichsten ist.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass ausschließlich Schwachwindanlagen für eine effiziente Windenergienutzung in Kasachstan geeignet sind. Insbesondere dieses Ergebnis ist jedoch sehr kritisch zu betrachteten. Dafür gibt es mehrere Gründe: 

Zum Einen wird durch den Hellmannschen Potenzansatz, mit deren Hilfe die Windgeschwindigkeiten auf eine Höhe von 100m geschätzt wurden, die mittleren Windgeschwindigkeiten mit zunehmender Höhe unterschätzt, sodass die berechneten Windgeschwindigkeiten eher zu niedrig als zu hoch ausfallen (Hau 2014:559).
 
Des Weiteren ist das Messnetz in Kasachstan für meteorologische Größen mit 75 für die Flächengröße des Landes gering und zusätzlich sehr unregelmäßig verteilt. Insbesondere in den zentralen Regionen Kasachstan kann das Potenzial kaum bewertet werden, da die Fehleroberfläche der Interpolation, die unten dargestellt ist, Konfidenzintervalle bis zu 0,5m/s ausgibt, was bedeutet, dass die Windgeschwindigkeiten beispielsweise statt bei 4,8m/s mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit auch bei 5,3 m/s hätten liegen können. Dies würde bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung der verschiedenen Anlagen zu anderen Ergebnissen führen, sodass auch Starkwindanlagen bei höheren Windgeschwindigkeiten geeignet sein könnten.

Zusätzlich zeigt auch die Güte der Interpolation ein mittleres Fehlerquadrat von 1,51m/s an, was verglichen mit den anderen Interpolationsmethoden das beste Ergebnis ist, jedoch auch bedeutet, dass die durch die Interpolationsmethode geschätzten Messwerte im Schnitt um 1,51m/s vom wahren Wert abweichen. Die hohe mittlere Fehlerquadratsumme sowie die hohen Konfidenzintervalle sind Resultat der wenigen und unregelmäßig verteilten Messstationen. 

Über die Wirtschaftlichkeit bzw. Nichtwirtschaftlichkeit von Starkwindanlagen kann, aufgrund obiger Gründe keine valide Aussage getroffen werden. Die Ergebnisse zeigen lediglich, dass auch Schwachwindanlage für die Windenergienutzung in Kasachstan geeignet sind und eine Alternative zu Starkwindanlagen bieten.

Die Ergebnisse zur Verteilung der Windgeschwindigkeiten im Jahresverlauf sind dabei als deutlich valider einzustufen, da die Schwankungen innerhalb des Jahres hinsichtlich der Stärke der Windgeschwindigkeiten unabhängig von der Höhe der Windgeschwindigkeiten auftreten und der Monat Dezember beispielsweise auch bei höheren Jahreswindgeschwindigkeiten im Vergleich mit den anderen Monaten immer schwächere Windgeschwindigkeiten aufweisen wird.

Die Arbeit stellt einen Leitfaden für die Suche nach geeigneten Standorten für die Windenergienutzung dar.

Es ist dabei allerdings deutlich geworden, dass eine hohe Anzahl und Vielfältigkeit an Datensätzen notwendig ist, um den Anforderungen einer Standortanalyse gerecht zu werden. Da die Daten zumeist von unterschiedlichen Anbietern kommen, stellt die Aufbereitung der Daten wie u.a. das Umprojizieren der Daten in das passende Koordinatensystem einen wichtigen Schritt vor der eigentlichen Standortanalyse dar. Die Ergebnisse der Standortanalyse sind von der Qualität und dem Umfang der Datensätze abhängig. In Ländern, in denen GI-Systeme bislang eher weniger genutzt werden, stehen oft nicht genügend sowie teils sehr unstrukturierte Datensätze zur Verfügung, was die Standortanalyse erschwert.


Da Kasachstan das neuntgrößte Land der Erde ist, aber gleichzeitig auch zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Welt zählt, bringt die Standortanalyse zahlreiche für die Windenergienutzung geeignete Gebiete hervor.

Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass die Standortanalyse großräumig durchgeführt worden ist, um einen ersten Überblick über mögliche Standorte zu generieren. Für die tatsächliche Entscheidung zur Windenergienutzung an einem Standort muss die Standortanalyse in kleinerem Maßstab für dieses Gebiet unter Einbeziehung zusätzlicher Faktoren, wie beispielsweise konkurrierende Nutzungen, der Windrichtung, des Geräuschpegels der Windenergieanlagen, der Erreichbarkeit des Windparks von der Straße aus sowie dem Vorkommen von geschützten Tier- und Pflanzenarten und weiteren ökologischen Parametern inklusive zusätzlicher Feldbegehungen durchgeführt werden (Idrizi et al. 2018:173f.). Hierfür benötigt man jedoch ein engeres Messnetz für meteorologische Größen oder muss selbstständig Daten aufnehmen, um lokale Windgeschwindigkeiten und -phänomene erfassen zu können. Dies ist die essenzielle Voraussetzung, um die Eignung von Standorten für die Windenergienutzung festzustellen. Dennoch bleibt festzuhalten, das GI-Systeme bei der Standortanalyse eine tragende Rolle zukommt, denn: 

 

„[..] GIS based method[s] […] provide[s] a quantitative evaluation and assessment of factors and constraints that should be taken into consideration at determining the land suitability for locations of wind farm“ (Idrizi et al. 2018:173).

 

Festzuhalten bleibt, dass generell das Potenzial für die Windenergienutzung in Kasachstan vorhanden ist. Aufgrund der Größe des Landes und der geringen Einwohnerzahl sind akzeptanzrelevante Konflikte in Kasachstan beim Ausbau erneuerbarer Energien eher nicht zu erwarten, sodass bei einem weiteren Vorantreiben des Ausbaus erneuerbarer Energien und den ehrgeizigen Zielen des Landes bis zum Jahr 2050 den Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtenergiebilanz auf 50% zu steigern, dem Land eine Schlüsselposition bei der Bekämpfung des Klimawandels zukommt (Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien 2019:22).

Es kann Vorbild für andere Länder wie Saudi-Arabien, Iran, Irak, Vereinigte Arabische Emirate und Kuwait sein, deren Wirtschaft zum Großteil auf fossilen Energieträgern basiert, ihre Einstellung zum Klimawandel zu überdenken und Potenziale für erneuerbare Energien auszuloten.